Louise Gold & the Quarz Orchestra

Pop in Cinemascope

Über weichen Bossa Nova-Rhythmen schwebt versonnen der Klang einer Posaune. Nach einigen Takten setzt Louise Gold ein und singt mit nüchterner Eleganz von der Vergeblichkeit eines Lebens im Überfluss, in dem es doch an Liebe mangelt. Fast abgeklärt klingt ihre Stimme, doch die Orchestrierung lässt Sehnsucht und Zuversicht durchscheinen. Silbrige Klavierläufe und die beiläufig gezupfte Gitarre verweisen tröstlich auf Schönheit - und immer wieder hebt sich dankder Posaune Hoffnung empor.

Es handelt sich um den Opener "If I don‘t have love", ein Song, wie er typisch ist für die schlicht Debut betitelte erste, musikalisch wunderbar vielfältige Platte mit ihrem Mut zur Hysterie und schlichter Eleganz von LOUISE GOLD & THE QUARZ ORCHESTRA. So erinnert die überdrehte Overtüre "Footloose Fancy-free" an die bonbonfarbenen Musicals der 50er und 60er a la "Mary Poppins" oder "West Side Story" und im Finale des Songs scheinen athletische Menschen in bunter Kleidung synchron vor dem geistigen Auge des Hörers zu tanzen. Und im "Lullaby of Moabit" rollt der "Fahrstuhl zum Schafott" vorbei. Es scheint fast, als hätte man dieses Stück aus den Annalen der Jazzhistorie ausgegraben und auf dem Album veröffentlicht. 

Für den ‚Mad-Men-Sound‘ der Band sind einerseits die klassischen Arrangements und andererseits die Wahl des Studios verantwortlich. Die Songs für das Album haben Louise Gold & The Quarz Orchestra im Berliner Lightning Recorders Studio aufgenommen und selbst produziert. Ein Studio das ausschließlich Equipment der Fünfziger und Sechziger Jahre wie RCA 77, RCA 44 oder Neumann Gefell UM57-Mikrophone und M15-Bandmaschinen für Aufzeichnung und Mastering verwendet und welches Musik in jener Art auf Tonträger bannt, wie man sie damals aufnahm: mit der ganzen Band zusammen, vor dem ersten Take gemischt und direkt auf ein ¼ Zoll BASF-Magnetband aufgezeichnet. Nachträgliches Mischen ausgeschlossen - Echtzeitmusik also, heutzutage ein seltenes Gut. Es entspricht ihrer Art zu musizieren, sagen sie. Die Musik passiert. Davor, danach ist Raum für Überlegungen, aber währenddessen fließt es einfach. 

Die Band hat sich 2008 in Berlin zusammengefunden und bildet heute ein sechsköpfiges Ensemble mit zwei kreativen Wegweisern:

Louise Gold, Sängerin und Song-Schreiberin und Hans Quarz, Posaunist und Arrangeur. Die Stücke schreiben sie gemeinsam – eine spannende Mischung, wie beide finden, denn Hans Quarz kommt vom Jazz und Louise Gold aus der Popmusik. Ihre Herangehensweise an das Schreiben ist sehrunterschiedlich und passt doch ganz genau zusammen: Louise Golds Texte - um eine Filmmetapher zu verwenden – sindEssays in der Tradition des europäischen Autorenkinos, die sie in stimmige, atmosphärische Melodien kleidet, welche Hans Quarz dann für die große Leinwand kongenial und mit großer Geste arrangiert. Der Sound, den die beiden gemeinsam erschaffen, bildet ein ganz eigenes Genre: Pop in Cinemascope.

Anfänglich spielten sie sich als vierköpfige Swingkapelle durch die Berliner Jazzclubs. Das Swing-Korsett wurde ihnen aber schnell zu eng und sie begannen eigene Stücke zu schreiben. Die Berliner Band bildet nach einigen Musikerwechseln heute dieses feste Ensemble:

 

Louise Gold (Vocals)

Die Sängerin und Songschreiberin wurde im Potsdam / Babelsberg der DDR geboren.

Als eher verträumtes Kind schrieb sie zuerst kleine Geschichten die nach der Ankunft einer Gitarre im elterlichen Hause zu Songs wurden. Sie ging 1994 nach Berlin um Musikerin zu werden, als Bohemien in Cafés zu sitzen und mit möglichst vielen interessanten Leuten über Philosophie zu sprechen. Louise Gold ist Autodidaktin.

 

Hans Quarz (Posaune)

Genauso gerne wie er mit Lippenstift und Mascara Farbe in sein Gesicht zaubert, zeichnet er, für die Orchestrierung der Band verantwortlich, chronisch anachronistisch mit Bleistift die Noten auf Papier. 

Hans Quarz wuchs als kleinster unter sieben Geschwistern am Damm einer viel befahrenen Eisenbahnstrecke auf und war fasziniert von dem rhythmischen Stampfen und dem schrillen Pfeifen der schwarzen Lokomotiven. Es war die „Musik“ seiner Kindheit und prägend für die berufliche Wahl, statt des Lokführers, zum Musiker.

 

Thibault Falk (Piano) 

wurde in der Nähe von Lyon in Frankreich geboren und absolvierte eine klassische Ausbildung für Klavier am Conservatoire Massenet in St. Etienne. Er entschied sich vorerst für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre. Nach einem schicksalhaften Autounfall bei dem er sich mehrmals mit einem Sportwagen überschlug doch nahezu unversehrt blieb entschied er sich nach Berlin zu gehen um Jazzpianist zu werden.

 

Florian Segelke (Gitarre)

Der Hamburger Gitarrist zupfte bereits im Kindergarten auf der Ukulele und träumte davon, in einer Band zu spielen. Nach ersten Experimenten in Metal- und Rockbands in früher Jugend zog es ihn schon bald zum Jazz, vornehmlich um Langhaarmähne und Röhrenjeans gegen ein zeitloseres Outfit zu tauschen. Beim Quarz Orchestra legt er hin und wieder sein hanseatisches Understatement ab, um seinen Soli den gewissen "Drive" zu verpassen.

 

Daniel Lunkenheimer (Drums)

kam schon früh mit Musik in Kontakt: noch ungeboren im Bauch der Mutter hörte er seinem Vater bei den Bandproben zu und klopfte den Takt mit. Nach dem Abitur ging er nach Los Angeles um an der LA Music Academy Schlagzeug zu studieren und dem amerikanischen Jazz auf den Zahn zu fühlen.

Der menschlich eher zurückhaltende Schlagzeuger ist musikalisch eine absolute Überraschung an Sound und seinen subtilen Schattierungen.

 

Hendrik Nehls (Bass)

Hendrik Nehls sagt, er spiele Kontrabass, seitdem er einen halten kann. Der studierte Betriebswirt ging nach der Ausbildung nach Shanghai und New York. Dort arbeitete er nicht etwa als Investmentbanker, sondern zog als Jazzbassist durch die Clubs. Eine prägende Zeit für ihn, denn er blieb seinem Bass treu.

 

 

 

 

PUBLISHING
Skycap Music publishes this artist.

Video

Discography

  • Debut by Louise Gold & the Quarz Orchestra
    Debut (2013)